fabfamily.de - Fiona, Anke & Bernd

Mai
2015

Neuseeland, 2004
Outdoor-Action am anderen Ende der Welt
Mai 2015

Outdoor-Action am anderen Ende der Welt

Meine erste richtig ferne Fernreise. Zugegebenermaßen war ich nach der Ankunft in Neuseeland zunächst etwas enttäuscht. In meiner Vorstellung hatte sich irgendwie das Bild festgesetzt, dass wenn man einen ganzen Tag nur fliegt und eigentlich auch nicht mehr weiter weg von zuhause sein kann, weil man sonst schon wieder auf dem Rückweg wäre, man irgendwo ankommt, wo alles ganz, ganz anders ist. Stattdessen wirkte aber alles irgendwie sehr europäisch.

Ich habe also weder Hobbits noch Orks gesehen. Aber zumindest die Landschaften erinnerten relativ schnell an die Herr-der-Ringe-Filme, von denen der letzte seinerzeit gerade gelaufen war.

Was nach zwei Wochen klar war: Neuseeland ist definitiv DAS Land für alle möglichen Outdoor-Adventure-Sportarten, an denen man auch komplett teilnehmen kann ohne irgendwelche Erfahrungen oder Fähigkeiten mitzubringen. So waren dann die ersten Fragen in jedem Hostel und auf jedem Campingplatz die gleichen: „Have you done Bungee Jumping?“ (alternativ auch zu ersetzen mit: Skydiving, Rafting, Caving) – „No?! It’s a must!“ Jede dieser Aktivitäten wurde als „awesome!“ – wenn nicht gar „fucking incredible!“ angepriesen.
Und da der schlechteste Sommer in den letzten 100 Jahren – das Glück bei solchen Rekorden dabei zu sein muss man erst mal haben – nicht gerade mit Strandwetter lockte, haben mein Kumpel und ich uns dann auch relativ schnell anstecken lassen – und am Ende alles ausprobiert. Wirklich alles. Was soll ich sagen: absolutly awesome – in jeder Hinsicht…

Caving

Angefangen hat alles noch relativ harmlos mit der „Lost World Epic“-Tour, die uns für einen ganzen Tag in die abgefahrene Höhlenwelt der Waitomo Caves entführt hat. Zuerst seilt man sich rund 100m in die Tiefe ab – in einer atemberaubenden Kulisse die einem wirklich das Gefühl gibt auf einer „Reise zum Mitteplunkt der Erde“ zu sein.

Es geht dann unterirdisch weiter und wir sind durch enge Felsspalten geklettert, durch unterirdische Flüsse geschwommen und mussten uns über unterirdische Wasserfälle hangeln. Zwischendurch landet man immer wieder in einer der vielen Glow Worm Caves. Diese „Glühwürmchen“ sind eigentlich Mücken (das klingt aber wohl nicht einladend genug). Und das was da unzählige Male von der Decke hängt und aussieht wie kleine, leuchtende Perlenketten sind die Larven dieser Mückenart, die es wohl auch nur in diesen Höhlen gibt. Wirklich eindrucksvoll, als wir dann in so einer Höhle saßen und alle Taschenlampen ausgemacht wurden. Großes Kino! (Wer’s mal sehen will, sollte nach „waitomo caves glow worms“ googlen).

Waitomo Caves, NeuseelandWaitomo Caves, Neuseeland

Waitomo Caves, Neuseeland

Rafting

Als nächstes haben wir uns dann an’s Rafting gewagt, was ich von den ganzen Outdoor-Krachern auch eher für ein gemäßigteres Unterfangen gehalten hatte in Bezug auf den Thrill-Faktor. Ne Bootstour halt.
Diese Einschätzung hat sich dann aber schlagartig geändert, als wir mit dem Schlauchboot einen 7m hohen Wasserfall runtergestürzt sind und – irgendwie ja völlig unvorhersehbar bei der Fallhöhe – auch prompt gekentert sind.

Im Briefing wurde uns eingetrichtert in so einem Fall niemals anzufangen in irgendeine Richtung zu schwimmen, da wir im Wassergetose mangels Orientierungsoptionen im schlechtesten Fall nur weiter runter getaucht wären.
Die Ansage war: einfach zusammenrollen und nach oben treiben lassen. Hab ich auch geistesgegenwärtig gemacht – allerdings bin ich genau unter dem gekippten Boot hochgekommen. Ein leichtes Panikgefühl hat mich dann überkommen als ich beim Auftauchen meinen Kopf quer gegen den Bootsinnenraum pressen musste, um überhaupt an Luft zu kommen. Also bin ich gleich wieder abgetaucht und wollte mit 2-3 Schwimmzügen so schnell wie’s nur ging unter dem Boot weg.
Allerdings hatte ich durch das Wassergetose und die Strömung des Wasserfalls wirklich überhaupt keine Orientierung mehr und war auch nicht sicher, ob ich beim Abtauchen überhaupt in die gewünschte Richtung gerudert bin. Also, schnell wieder zusammen gerollt und nach oben ploppen lassen. Gefühlt bin ich dann an der selben Stelle wieder aufgetaucht – mit dem Unterschied, dass die Guides gerade begonnen hatten das Schlauchboot anzuheben und umzudrehen.

Wichtig war abschließend dann nur noch eins: wir haben überlebt! Aber in jedem Fall interessant zu sehen, wie man ganz gut automatisch funktioniert, wenn man keine Zeit hat zu überlegen…

Rafting - den Wasserfall runter...

...und alle einmal aussteigen

Mountain Bike Trail

Mein Kumpel, seinerzeit ein begeisterter Downhill-Fahrer, hat mich dann zu einer kleinen Mountainbike-Tour überredet. Das Schild am Anfang des Trails wirkte auf uns nicht besonders einschüchternd: „Caution! Extreme drop and river crossing!“

Ist es nun extrem verwegen oder extrem blöd ohne jegliche Erfahrung auf einem durchaus sehr anspruchsvollen Mountainbike-Trail über Baumstämme, Steine und Abhänge zu brettern? Ich kann’s echt nicht sagen. In jedem Fall ist es extrem schmerzhaft.
Und gestürzt bin ich auch nicht weil ich todesmutig über die Piste geholzt bin sondern weil ich so einen Schiss hatte, dass ich bei der Überquerung eines Baustammes, der über einer kleinen Schlucht lag, so langsam war, dass ich samt Bike einfach zur Seite weggekippt bin. Trotzdem mein definitiv landschaftlich schönster Sturz. Am Anfang dachte ich, ich bekomme gar keine Luft mehr, aber nach etwa einer halben Stunde ging’s dann wieder. 1-2 geprellte Rippen sind letztlich auch kein Drama – man darf nur nicht lachen…

Das war allerdings gar nicht so einfach, denn als mein Kumpel bei einer Flussdurchquerung sein komplettes Ventil verloren hatte (wie geht so was?) hatten wir beim Zurückschieben zum Fahrradverleih zwei entspannte Stunden Zeit die Highlights des Tages noch mal Revue passieren zu lassen. Immerhin mussten wir, obwohl die Verleihzeit gnadenlos überzogen war, nur die Miete für ein Rad bezahlen…

Auf dem Moutain Bike Trail unterwegs

Camping

Zwischendurch haben wir dann auf einem Camping Platz in der Nähe des Tongariro Nationalparks ein echtes kleines Erdbeben erlebt, was wir zwar verschlafen hatten – aber bei einem live dabei gewesen zu sein, fühlte sich schon irgendwie abgefahren an.

Bungy Jumping

Wir waren nun bereit für den nächsten echten großen Thrill: Taupo Bungy lockte mit einem Sprung aus 47m Höhe über dem Waikato River – und der Option beim Sprung mit dem Kopf noch kurz in’s Wasser einzutauchen.

So etwas zu machen, will sehr gut überlegt sein. Fest entschlossen, das eventuell auch mal zu machen haben wir uns an die Aussichtsplattform gestellt und gewartet bis jemand springt. Müsste man ja schon einmal sehen vorher. Es kam aber niemand. Und nach etwa 1,5 Stunden und zweimal fast zur Kasse gehen, hatten wir beschlossen wieder abzuhauen. In einem plötzlichen Anfall von „jetzt-oder-nie“ bin ich dann direkt zum Kassenhäuschen und hab doch noch das Ticket gekauft. Mein erster Gedanke als ich das Ticket in der Hand hielt war: „Aber springen muss ich ja trotzdem nicht unbedingt.“ Nur die Rückgabe war halt ausgeschlossen.

Mittlerweile waren auch zwei Leute vor mir, so dass ich nun Gelegenheit hatte, direkt von der Sprungplattform zu beobachten, wie diese Bekloppten da wirklich runter gesprungen sind. Ich wurde zwischenzeitlich gewogen und mit einer dicken schwarzen „70“ auf der Hand markiert. Das war wichtig für das Einstellen der richtigen Seillänge. Irgendwie kam ich mir in dem Moment vor wie Vieh im Schlachthof. Dann war ich aber auch schon dran. Ich musste mich in einen gekippten Stuhl mit zwei Schienen für die Beine legen, der mich irgendwie an einen Stuhl beim Frauenarzt erinnerte. Die Fußfesseln wurden angelegt, dann noch die kurze Frage, ob ich denn auch in’s Wasser eintauchen möchte. „AUF GAR KEINEN FALL!“, rief ich laut zurück. Ich wollte sicher gehen, dass er das auch richtig verstanden hatte.

In Tippelschritten wurde ich nun an den Rand der Plattform geführt. Ein Blick nach unten… Uaah… Ist DAS hoch… Dann wurde das Seil schon mal runter geworfen und ich konnte den Zug nach unten an den Füßen spüren. Ich hatte einfach nur noch Angst. Todesangst. Hier alleine und freiwillig runterspringen? Völlig ausgeschlossen. Geht gar nicht. Es gab nichts zum Festhalten in greifbarer Nähe, ich konnte also nur versuchen mein Gewicht nach hinten zu verlagern, um nicht aus versehen das Gleichgewicht zu verlieren. Sonst wäre ich womöglich noch gefallen. Jetzt sollte es auch so langsam mal losgehen wurde mir zugerufen. Er würde jetzt bis 3 zählen dann muss ich springen.
Ich konnte in dem Moment absolut keine eigene Entscheidung mehr treffen und habe nur noch gemacht was mir gesagt wurde. „Arme hoch über den Kopf… 1… 2… 3… JUMP!“ Ich hab noch den Bruchteil einer Sekunde gezögert und mich dann nach vorne fallen lassen…

Als ich vom Boot unten eingesammelt wurde, dachten die ich wäre ohnmächtig geworden, oder so. Weil ich weder Geschrien noch sonst irgendeinen Laut von mir gegeben hatte…

Taupo Bungy - auf der Plattform

Taupo Bungy - Absprung!Taupo Bungy - auf dem Weg nach unten

Skydiving

Um die Liste komplett zu machen fehlte noch der Skydive. In Nelson konnte man direkt über dem Abel Tasman Park abgeworfen werden, mit einem grandiosen Blick über die Küstenlinie. Natürlich springt man nicht alleine sondern wird einem erfahrenen Skydiver vor den Bauch geschnallt.
Als wir oben an der Ausstiegslucke des Flugzeugs saßen, sah alles so unwirklich klein aus, dass sich nur ein leicht mulmiges Gefühl einstellte – kein Vergleich also zu der Todesangst die ich ein paar Tage vorher beim Bungy Jumping durch machen musste. Dann ging’s auch schon los. Ted, der Skydiver hinter mir, drückte mich aus dem Flugzeug, wir überschlugen uns ein paar mal und dann ging’s aus 13.000 Fuß Höhe – das entspricht etwa 4.000m – ab nach unten.

Wenn man Fallschirmspringer im Fernsehen sieht, sieht es ja irgendwie immer so aus, als würden die ganz gemütlich durch die Luft schweben. Tatsache ist aber, dass man einfach nur wahnsinnig schnell fällt. Das kam überraschend. Die Luft knallte mir mit soviel Schwung so in’s Gesicht, dass ich die ersten Sekunden nicht mehr atmen konnte. Zum Glück konnte Ted mich über einen Spiegel an seinem Arm beobachten und hat mich dann angewiesen mal den Mund zu zumachen. Alles in allem fand ich das Fallen mit dem ganzen Gegenwind etwas hektisch aber als sich der Fallschirm dann endlich mit einem Ruck öffnete und wir langsam, in vielen Kurven, nach unten glitten, konnte ich dann auch die Aussicht und das Gefühl keinen Boden unter den Füßen zu haben genießen. Sehr chillig.

Beim Landen bin ich dann noch etwas unsanft aufgeschlagen und ich hatte wahnsinnige Ohrenschmerzen. Hörte sich alles auch irgendwie an, als hätte ich Watte in den Ohren. Hä, was? Wie, Druckausgleich? Wenn man mal nachdenkt, irgendwie logisch, wenn man von 4.000m auf etwas über 0m in wenigen Minuten fällt.
Das hatte mir aber vorher keiner gesagt – oder gegebenenfalls hatte ich da beim Briefing auch etwas nicht richtig verstanden. Aber auch hier gab’s zum Glück keine bleibenden Schäden.

Skdydive - Abel Tasman

Bungy Jumping, II

Gegen Ende der Reise waren wir dann in Queenstown angekommen. Überall lächelten mich Schilder mit „The nevis – New Zealand’s Highest Bungy“ an. Irgendwie war die Verlockung groß nach dem ersten Bungy-Drama noch einen Versuch zu unternehmen.
Die Tage in Neuseeland waren gezählt, „the highest“ versprach eine angemessene Steigerung und mein 30. Geburtstag in 2 Tagen schien mir der perfekte Anlass, sich in eine tiefe Schlucht zu stürzen. Also, gebucht…

Die Anfahrt dauerte etwa eine Stunde und was ich beim Aussteigen zu sehen bekam, war in der Tat noch mal ein Kaliber mehr als ich in Taupo gesehen hatte. Die Absprung-Gondel hing montiert an, über das Nevis-Tal gespannten Stahlseilen, 134m über der Schlucht.

In einem kleinen Korb wurden wir dann mit 4 Personen zur Gondel gezogen. Das Prozedere wiederholte sich, nur diesmal war ich deutlich gefasster, wobei es sich schon noch mal anders anfühlte am Rand einer hin und her schaukelnden Gondel zu stehen, auf einen winzigen Fluss in 134m Tiefe zu blicken. Eintauchen war hier zum Glück keine Option.
Sich einfach fallen lassen, war dann auch wieder nicht so ganz ohne – aber ich konnte das Fallen dieses Mal schon auch irgendwie „genießen“. Zeit dazu war in jedem Fall genug – man fällt etwa 8,5 Sekunden (einfach mal auf die Uhr schauen und mit zählen) und schwingt dann noch in immer kleiner werdenden Hüpfern von unten nach oben aus.

The Nevis Bungy - Eine wackelige Angelegenheit
The Nevis Bungy - Wieder auf der PlattformThe Nevis Bungy - Und runter geht'sThe Nevis Bungy - Der lange Weg nach unten
Würde ich das noch mal machen? Nein. Warum nicht? Schon beim zweiten Mal war die Überwindung lange nicht mehr so groß, wie beim ersten Mal – und es hat ja fast schon – auf eigentümliche Art – Spaß gemacht. Könnte man natürlich noch mehrfach wiederholen aber die eigentliche Erfahrung, die ich mit den Sprüngen auch rückwirkend verbinde, habe ich – und wie ich glaube, auch unwiederholbar – beim ersten Mal gemacht: Sich trotz unglaublicher, richtiger, echter Angst und komplett gegen den eigenen Willen einfach fallen zu lassen war für mich definitiv eine Grenzerfahrung.

Im Nachhinein jedenfalls ziemlich spannend das alles mal ausprobiert zu haben – immer in landschaftlich großartiger Kulisse noch dazu. Zu Hause vom Kran zu springen hätte ich ziemlich sicher nie gemacht.
Wenn, dann hier – denn wie schon angedeutet: rückblickend war alles in jedem Fall absolut „fucking incredible“

Geschrieben von Bernd | Kategorie: Andere Reisen |

 

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