fabfamily.de - Fiona, Anke & Bernd

Mai
2015

Venezuela, 2006
The lost World: Eine Reise in eine andere Welt, II
Mai 2015

Trekking auf den Roraima Tepui, Teil 2

The lost World: Eine Reise in eine andere Welt, II

Den ersten Teil schon gelesen? Dann geht’s hier weiter…

Am nächsten Morgen ging es dann über mehrere Flüsse einen anstregenden Tag lang zum zweiten Basislager am Fuß der Roraima Tepui. Man merkte das es langsam nach oben ging.

Ab jetzt wird's steiler

Ganz schön anstrengend in der HitzeWir verlassen die tropische Zone

Aufstieg an der Rampenoch ca. 700m bis nach obenAufstieg an der Rampe

Und dann kam die Rampe mit den restlichen 700 Höhenmetern. Wir kraxelten am nächsten Tag fast senkrecht bergauf, durch dichte Vegetation, bis irgendwann über uns nur noch eine senkrechte Felswand empor ragte. Von hier war der Ausblick über die Savannenlandschaft mit den anderen Tepuis schon absolut sensationell. Keine Frage. Endlich oben angekommen fanden wir uns dann in einer abgefahrenen Landschaft wieder, die keinen Zweifel daran ließ, dass es hier oben auch noch Dinosaurier geben würde.
Das ganze Plateau bestand aus einem einzigen Felslabyrinth mit teilweise mehreren 100m tiefen Schluchten.

Balbina führte uns nun zu unserem Lagerplatz für die nächsten 2,5 Tage: „el hotel“. Ein Felsverschlag ganz oben in einem riesigen Steinturm. Wir bauten unsere Zelte auf und waren sprachlos und total überwältigt von der gebotenen Szenerie. Das war der erste große Moment auf dieser Tour, wo ich wirklich nicht mehr in der Lage war auch nur einen Ton von mir zu geben (WOW-Faktor: definitiv eine volle 10).

Ankunft auf dem Plateau

„el hotel“ - unser Camp am Roraima (ganz oben links)„el hotel“ - unser Camp am Roraima

Küche und Aufenthaltraum im HotelPlatz für unsere Lebensmittel

Die gibt's nur hier oben

Es gab in unserem „Hotel“ um die Ecke rum sogar einen kleinen Felsverschlag, wo man in Ruhe sein Geschäft auf dem Toiletteneimer erledigen konnte. Nebenbei sei noch erwähnt, dass wir selbstverständlich hier oben keine Spuren zurücklassen wollten. Alles was wir mitbrachten, nahmen wir natürlich auch wieder mit runter. Also, wirklich alles. Viel mir nur gerade bei dem Toiletteneimer ein…
Und unser Hotel hatte in der Felswand sogar eine richtige kleine Kochecke mit einer Sitzbank aus Stein. Hier kochte Balbina für uns und jeden Abend gab es eine Mini-Caipirinha. Sie hatte nämlich extra dafür eine kleine 0,3 Flasche Rum und ein paar Limetten mit hochgeschleppt. Da saßen wir dann Abends, meist mit Ausblick und hörten uns Balbinas Geschichten über ihr Volk und ihr Leben an. Es war zwar immer arschkalt aber diese Momente waren das Frieren wert. Ganz großes Kino. In Full-HD und 3D.

Waschen – und für die ganz harten auch Baden – konnte man sich hier morgens in einem der vielen natürlichen Stein-Pools (deshalb auch Jacuzzis genannt). Nach den durchfrorenen Nächten hatten wir uns aber mit einer notdürftigen Wäsche am Morgen zufrieden gegeben. Dafür hatten wir einen kleinen Wasserfall am Fuße unseres Hotels ausfindig gemacht.

Wie vorhin schon angedeutet war das mit dem Ausblick auf dem Plateau oben so ein Sache. Hier auf 2800m Höhe wechselten sich dichter Nebel und Sonnenschein permanent – und vor allem im rasanten Wechsel – ab. Standen wir eben noch im strahlenden Sonnenschein, konnte es passieren, dass wir nur wenige Sekunden später nicht mehr die Hand vor Augen sehen konnten. Und durch die ganzen bizarren Gesteinsformationen um uns herum, tauchten auf einmal die Umrisse von merkwürdigen Gestalten im Nebel auf.

Balbina führte uns bei Wind und Wetter in alle möglichen Winkel das Plateaus und zeigte uns ihr ganz persönliches Hotel, ganze „Felder“ – ich weiß gerade nicht wie ich es sonst nennen soll – voller großer Quarzkristalle und eine abgefahrene endemische Pflanzen- und Tierwelt: bizarre, urzeitlich wirkende Pflanzen und Fingernagel-große giftige schwarze Frösche – sogar eine gelb-weißen Fuchs, der wie gesagt nur hier oben lebt, haben wir gesehen. Dinosaurier und andere Ungeheuer tauchten dann aber doch nur in Form von unheimlichen Schatten im Nebel auf…

Einen weiteren großen Moment hatten wir dann noch an unserem letzten Tag auf dem Plateau. Balbina führte uns durch dichten Nebel zu einer ganz bestimmten Stelle, die sie uns zeigen wollte. Wir konnten keine 2 Meter weit durch den Nebel gucken als Balbina meinte: „Wir sind da. Lasst uns mal hier hin setzen“. Da saßen wir dann, auf einem Absatz vor einer Nebelwand und sie meinte nur: „Lasst uns warten. Wenn wir Glück haben, können wir gleich noch etwas sehen“. Wir warteten zu dritt eine Weile im Nebel, dann fing Balbina leise an ein Indianerlied zu singen. Und kurz darauf riss die Nebelwand auf und wir erkannten wo wir waren. Genau an der Kante des Tafelbergs!
Unter unseren Füßen ging es einfach nur mehrere hundert Meter steil nach unten und innerhalb von Sekunden hatten wir einen freien Blick über die ganze Savanne mit dem benachbarten Tafelberg, Kukenam, direkt vor der Nase. Was für ein Moment! Einfach nur unbeschreiblich und nicht in Worte zu fassen! Das war jedenfalls das zweite Mal, dass ich absolut sprachlos und völlig überwältigt war. Während Balbina noch sang, musste ich echt mit mir kämpfen, um nicht völlig die Fassung zu verlieren. Andy ging es genauso. Wir beide konnten keinen Ton mehr rauskriegen (WOW-Faktor: wenn 10 das höchste ist, dann eine 12). Und während Balbina noch sang, zog alles wieder zu und wir saßen wieder vor einer dichten Nebelwand.

Sogar nach fast 10 Jahren bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich das hier schreibe und mich an den Moment erinnere. Aber man muss natürlich dabei gewesen sein…

In jedem Fall sind wir dann sehr vorsichtig aufgestanden, weil wir jetzt ja wussten wo wir gesessen hatten.

Balbina genießt den Ausblick - immer wieder...

Was für eine Aussicht - am Rand des Roraima Tepui...und schon wieder vorbei - der Nebel hat die Aussicht verschluckt

Als wir 3 Tage später wieder in Paraitepuy, dem Ausgangspunkt unseres Ausflugs, angekommen waren, fuhr zufällig gerade ein kleiner Bus mit einer Truppe von Erics Agentur vor. Eine, angesichts der zu erwartenden Tour, sehr schräg anmutende Reisegruppe von etwa 10 Leuten, die Hälfte davon unterwegs in Flip Flops und mit reichlich Weinflaschen im Gepäck (der Träger). Uns überkam ein ähnliches Gefühl wie in der Woche zuvor in „unserer“ Lagune…

Jaheira & David's ZuhauseAbschiedsfoto vor Jaheira & David's Hütte

Zum Abschluß unserer Tour hatten wir dann noch Jaheira und David nach Hause gebracht. Und wieder war ich total vor den Kopf geschlagen von dem was ich da sah. Direkt an einer geteerten Hauptstraße in der Ecke eines Parkplatzes, auf dem ein blauer Neckermannreisen-Bus parkte, stand eine einfache runde Lehmhütte mit ca. 6m Durchmesser, keinem Fenster und einer Holztür, wie ich sie bei uns von Pferdeställen kenne – das war Jaheiras und Davids Zuhause. Nur ein Zimmer mit einem Bett, einer kleinen Kommode und einer gasbetriebenen Kochplatte – einzige Dekoration: 2 Fotos hinter einem Glasrahmen.
Von dem Parkplatz führte eine etwa 20 Meter lange Treppe einen Hügel hinauf zu einem weiteren Wasserfall, einem beliebten Ziel bei Pauschaltouristen.

Roraima – The lost World

Roraima ist mit 2.810 m einer der größten Tafelberge Venezuelas und liegt im Dreiländereck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana.

Etwa 80% der Tier- und Pflanzenwelt auf dem Hochplateau sind endemisch.

In der Sprache der Pemón, einem indigenem Volksstamm in der Gran Sabana, heißen die Tafelberge „Tepuis“, was soviel wie „Haus der Götter“ bedeutet. Für die Pemón ist der Berg heilig.

Berichte über das Plateau inspiriten übrigens Arthur Conan Doyle zu seinem Roman „The Lost World“ (1912). Und wer den Pixar-Film „Oben“ (im Original „UP“) kennt: Auch hier haben sich die Animatoren von der einzigenartigen Umgebung dieses Tepui inspirieren lassen.

Balbina – unser Guide

Balbina bei facebook

Sie wurde 1959 in Kamarata, einem Dorf der Pemón-Indianer, geboren – und war zeitweise sogar selber Häuptling ihres Dorfes.

Balbina verbindet auf einzigartige Weise eine aufgeschlossene, moderene Haltung mit ihrer Spiritualität und den alten Traditonen der Pemón.

Bei ihrerer Rolle als Guide ist der respektvolle Umgang mit der Natur ihr höchstes Anliegen. Wir haben von ihr wirklich sehr viel über die Tiere, den medizinischen Einsatz von Pflanzen und die Kultur in der Gran Sabana gelernt.
Die abendlichen traditionellen Gesänge und Pemón-Legenden in dieser großartigen Kulisse waren in jedem Fall unvergessene Erlebnisse.

Balbina ist auch bei Facebook

Geschrieben von Bernd | Kategorie: Andere Reisen |

 

Wir freuen uns auf eure Kommentare...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder erkennst du am *

Blogverzeichnis