fabfamily.de - Fiona, Anke & Bernd

Oktober
2012

Oktober 2012

Ein Rückblick auf den Entscheidungsprozess und die Beweggründe 1 Jahr zu dritt auf Reisen zu gehen, festgehalten am 4. Oktober 2012

Eine Reise bahnt sich ihren Weg

Der 10. August 2012 – und die Tage davor und danach…

So, der Entschluss ist gefasst. Wenn es irgendwie realisierbar ist – und ich bin gerade ziemlich stark davon überzeugt, dass es das ist – werden wir uns für ein Jahr auf den Weg machen, um uns zu dritt die Welt anzusehen.

Ich bin selbst überrascht, wie schnell man seine eigene Meinung von einem Tag auf den anderen ändern kann, wenn man sich mal für einen Moment den Kopf frei macht, zurück lehnt und überlegt, was einem wirklich wichtig ist, was man wirklich möchte. Bei mir war das am 10. August 2012.

Ich saß Abends mit einem Bier auf der Terrasse unserer Wohnung und hab mich – mal wieder – darüber geärgert, dass Zeit an allen Ecken und Enden fehlt.
Gerade seitdem unsere Tochter Fiona mit an Bord war konnte ich ja beobachten wie sie sich in rasantem Tempo weiterentwickelt und die Tage dabei in gefühlter Lichtgeschwindigkeit einfach so an einem vorbei flutschten.
Immer das gleiche morgendliche Ritual sich gegenseitig durch gezielt knappes Aufstehen in zeitliche Not – und damit leichte Grundpanik – zu versetzen, damit alle rechtzeitig aus dem Haus kommen. Um sich am Ende des Tages wieder zuhause zu treffen, natürlich immer noch mit der langen Liste von unerledigten Dingen vor der Nase – oder eben einfach nur müde.

Ich war mir ziemlich sicher, dass es das ja nun wirklich nicht sein konnte. Nicht auf Dauer.
Natürlich ist man immer auch ein Stück weit selber dran schuld. Wir waren gerade mittendrin uns in die Planung für eine aufwändige Umbauaktion unserer Dachgeschosswohnung zu stürzen. Ein Vorhaben, dass uns sicher für viele Monate unter Volldampf halten würde. Der Vertrag mit dem Architekten lag schon zu Hause und wartete nur noch auf unsere Unterschrift. Und dann, dann reichte ein einziger Tag um alle Pläne umzuschmeißen.
Wir mussten mit Fiona in die Notaufnahme, weil sie plötzlich nicht mehr alleine gehen konnte und beim Versuch aufzustehen ständig wieder umfiel. Die Diagnose lautete Kinderrheuma.
In der folgenden Nacht starb Ankes Vater.

Eine Pause war also nötig. Die Umbaupläne unserer Wohnung im vierten Stock wurden schon aufgrund der Krankheit unserer Tochter, über deren Schwere und Verlauf sich erst über mehrere Monate hinweg ein Bild machen lassen wird, erst mal für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Das war im Juni.

Bei meinem zweiten Bier habe ich mir dann mal überlegt, was ich eigentlich wirklich möchte, für mich und für uns als Familie, und was mich eigentlich davon abhält mein Leben – beziehungsweise unser Leben – in diese Richtung zu lenken.
Ich war die letzten Jahre viel gereist – und auch wenn ich nie länger als 5 Wochen am Stück unterwegs war, so bin ich doch immer mit beeindruckenden Erlebnissen im Gepäck zurückgekommen, die Lust auf mehr gemacht haben.
Anke konnte ich mit einer Thailandreise, kurz nach dem wir uns kennengelernt hatten, ebenfalls mit meiner Reiselust anstecken. Traumziele hatten wir dann auch schon einige auf unserer gemeinsamen Liste.
Plötzlich und unerwartet – oder sagen wir lieber ungeplant – wurde dann aber aus einem kinderlos-glücklichen Paar eine kleine Familie. Das änderte natürlich alles. Fiona war da – und bereicherte unser Leben mehr, als wir uns es je hätten erträumen lassen (die stressigen Momente blende ich hier mal aus, um das stimmige Bild nicht zu trüben).

Schon unsere erste Familientour nach Schweden mit der 8 Monate alten Fiona brachte die Erkenntnis, dass uns reisetechnisch eigentlich nach wie vor keine Grenzen gesetzt waren. Es gab halt immer nur ein paar Dinge zu beachten: Man braucht mehr Gepäck, mehr Zeit und einen Plan, der auch ganz anders verlaufen darf.
Immer wenn wir diese 3 Punkte ausreichend berücksichtigt hatten, hatten wir (alle) eine grandiose Zeit – wenn nicht, dann eben auch mal nicht (alle)…
Somit stand das Vorhaben, vor Fionas Einschulung auch noch einmal eine möglichst lange Reise in Angriff zu nehmen also relativ früh fest. Die Frage war eigentlich nur wie lange das dann sein könnte. Ich dachte dabei an etwa 4-6 Wochen, Anke hatte gleich mehrere Monate im Sinn. Was ich mit Rücksicht auf meinen Arbeitgeber in ersten Diskussionen gleich kategorisch als unmöglich abgelehnt hatte.
Und nun, ja nun sieht alles doch ganz anders aus. Es ist wieder etwa ein Jahr rum, ich hab den Arbeitgeber gewechselt. Und der neue Job ist, nach einer zugegeben langen Eingewöhnungsphase, in jeder Hinsicht erheblich besser als der alte, in dem ich wahrscheinlich viel zu lange ausgeharrt hatte. Der Job ist gut bezahlt, die Kollegen sind super nett, die Arbeit ist abwechslungsreich und – ja, ich muss es zugeben – macht sogar wieder (ein bisschen) Spaß – es passt also eigentlich gerade alles.
Trotzdem fehlt eins nach wie vor: Zeit. Zeit ohne die lange Liste von noch zu erledigenden Dingen im Hinterkopf, gemeinsame Zeit mit der Familie, eben einfach Zeit…

Beim dritten und vierten Bier war dann alles klar und alle Bedenken die ich bisher hatte waren völlig ausgeräumt.
Ein Jahr weg sollte es sein. Ein Jahr in dem es nur um uns drei geht, ein Jahr in dem wir sicher unglaubliche Dinge erleben werden, ein Jahr das uns vielleicht verändern wird, vielleicht auch nicht, vielleicht auch nur ein bisschen. Ein Jahr, dass uns als Familie so oder so immer in Erinnerung bleiben wird.

Der letzte Urlaub, und der vorletzte und auch der davor haben gezeigt, wie schön und bereichernd es für uns alle ist, wenn wir die Zeit haben viel Zeit miteinander zu verbringen. Und jedes Mal ist es sehr ernüchternd, wenn einen der Alltag nach zwei Tagen wieder in sich rein gezogen hat, als hätte es die Zeit davor nicht gegeben – und man froh sein kann wenigstens Fotos zur Erinnerung gemacht zu haben. Vielleicht etwas überzogen, aber das ist der Punkt um den es irgendwie immer wieder geht: Es geht um Zeit. Zeit, die wenn sie da ist gleich schon wieder weg ist – und dann nie wieder kommt. Darum, diese Zeit ein bisschen länger fest zu halten. Mehr muss ich dazu glaube ich nicht sagen.

Ein fünftes Bier habe ich mir dann verkniffen und bin in’s Bett gegangen.

Am anderen Morgen haben Anke und ich dann beim Frühstück noch mal ausgiebig über meinen Sinneswandel und die möglichen Konsequenzen und Erwartungen gesprochen. Viel Überzeugungsarbeit musste ich ja gar nicht mehr leisten, nach dem Frühstück war alles klar. Jobs kündigen oder vielleicht klappt auch freistellen lassen, beides geht in Ordnung. Wohnung verkaufen oder behalten, werden wir noch sehen. Genug Kohle zusammenkratzen wird wohl die größte Herausforderung werden. Aber wir haben jetzt ja schließlich noch gut 2,5 Jahre Zeit.

Ein ausschlaggebender Punkt ist bei allen, die über ein Vorhaben dieser Art nachdenken, sicher wie geht’s danach weiter mit dem Job und diesem ganzen Kram? Ein wichtiger Punkt, der mich auch lange beschäftigt hat, über den sich jeder letztendlich auch selbst einig werden muss.
Ich habe mir zwischen Bier 3 und Bier 4 nur EINMAL die Frage gestellt, was ich wohl in 20 Jahren – wenn ich knapp 60 bin – denken werde, wenn wir einfach so weiter machen wie bisher. Sicher nicht „Gut, das wir die 20 Jahre durchgearbeitet haben – noch ein paar Jahre, dann können wir unsere freie Zeit noch genug genießen“.

Egal wie es nach diesem Jahr weitergehen sollte, eines ist meiner Meinung nach sicher: diese 12 Monate werden uns alle drei in jedem Fall auch weit über dieses Jahr hinaus begleiten, wahrscheinlich sogar ein Leben lang.

Und alleine die Tatsache, dass unser Vorhaben Realität werden könnte lässt mich schon jetzt viel gelassener mit dem täglichen Aufgabenpensum umgehen. Die Richtung stimmt also.

So, es gibt dann jetzt in jedem Fall erst mal eine ganze Menge zu klären und zu prüfen. Bin gespannt wie’s in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht…

Geschrieben von Bernd | Kategorie: Der Weg zum Start |

 

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