fabfamily.de - Fiona, Anke & Bernd

Juni
2015

Bali, Indonesien
Trubel, traditionelle Tänze & Reisfelder
Juni 2015

Ein paar Tage in Ubud...

Trubel, traditionelle Tänze & Reisfelder

Ubud gilt ja als das kulturelle Zentrum Bali’s, da sich hier viele Maler aus dem In- und Ausland, sowie diverse Kunsthandwerker, traditionelle Musiker und Tänzer niedergelassen haben.
Ein Highlight sind die umliegenden Reisterassen, die man auf allen Fotos in strahlendem Grün leuchten sieht.
Wir hatten uns für die Tage hier in einem kleinen Bambus-Baumhaus eingemietet, das ganz einsam in mitten von traumhaft schönen Reisfeldern liegen sollte.

Bei unserer Ankunft waren wir allerdings etwas enttäuscht. Fast auf allen Feldern, die den Weg zu unserer Hütte säumten, war der Reis gerade abgeerntet worden, so dass uns der etwa ein Kilometer lange Fußmarsch größtenteils an grau-matschigen Schlammlachen vorbei führte. Außerdem lag die einsame Bambushütte direkt an einer Großbaustelle. Der Besitzer hatte nämlich genau dahinter einen kompletten zweistöckigen Neubau hochgezogen, damit zukünftig neben den Gästen der einsamen Bambushütte auch noch bis zu 10 weitere Gäste die einsame Lage – inklusive dem neuen Pool – genießen können.

Die Arbeiter, die nicht direkt nebenan auf der Baustelle gepennt haben, trudelten so gegen 8 Uhr morgens ein und stellten meist gegen 17 Uhr den Diesel getriebenen Stromgenerator wieder ab.

Für uns eine interessante Erfahrung: Die Bambushütte war auf zwei Etagen verteilt und komplett offen. Es gab also weder Türen, noch richtige Wände. Neben den Bauarbeitern, die eigentlich überall um unsere Hütte herum zu hören und zu sehen waren, kamen immer wieder die Reisbauern auf dem Weg von oder zu ihren Feldern vorbei gelaufen – etwa 3-4 Meter von unserem Freilicht-Wohnzimmer entfernt.
Das abgefahrene daran war, dass uns das überhaupt nicht gestört hat. Wir hatten weder Sorge, dass sich jemand in unserer Abwesenheit an unseren Sachen zu schaffen macht, noch haben wir uns sonst irgendwie unwohl gefühlt. Was uns in Anbetracht der – mit der recht guten Einsehbarkeit verbundenen – mangelnden Privatsphäre selbst ein wenig erstaunt hat. Nicht mal Nachts, wenn überraschend Gesichter aus dem Dunkeln vor unserer Nase auftauchten, um sich zu erkundigen, ob bei uns so weit alles in Ordnung sei, sind wir nennenswert zusammengezuckt. Knapp vier Wochen unter ausnahmslos freundlichen Menschen haben’s möglich gemacht…
Am zweiten Tag hat sich die Besitzerin der Hütte im übrigen bei uns für den Lärm entschuldigt und die kompletten Kosten für die Hütte erlassen – also vier Tage gratis, inklusive Frühstück (das wurde uns jeden Morgen auf einem Tablett über den oben erwähnten etwa einen Kilometer langen Trampelpfad gebracht).

Unser kleines Bambus-Baumhaus

Wände und Türen gibt's hier nicht

Blick vom Wohnzimmer: die Bauarbeiter relaxen beim Sonnenuntergang

abendlicher Besuch in der 1. Etage

In Ubud selbst erleben wir das erste Mal so richtig den Touristenrummel. Und überhaupt war alles viel hektischer als bei unseren bisherigen Stationen. Die Straßen waren eigentlich immer total vollgestopft und auch an Touristen scheint es hier nicht zu mangeln – die Verkäufer sprechen uns fast gar nicht mehr an, wenn wir vorbeigehen – sogar dann nicht, wenn wir stehen bleiben, um uns mal etwas anzusehen. Wir empfanden das eigentlich als ganz angenehm, wenn es dafür nicht immer überall so voll gewesen wäre.

Die stylischen Cafes und Cocktail-Bars sind sehr „westlich“ aufgemacht und sogar Bioläden gibt es im heimischen Stil – das ganze dann auch mit den entsprechenden europäischen Preisen. Die Tage in Ubud werden zu den teuersten unserer bisherigen Reise. Gut das wir hier auch die Kohle für die Erstattung unserer Unterkunft verprassen können… ;-)

Apetitanregende Auslage im SchaufensterIn Ubud soll der Müll getrennt werden

Auf dem Markt in Ubud

Auf dem Markt in UbudAuf dem Markt in Ubud

Dem Trubel in der Stadt kann man relativ schnell bei einem Spaziergang durch die umliegenden Reisfelder entfliehen. Besonders in der Abendsonne verbreitet sich hier eine echt idyllische Atmosphäre – und dank der (wirklich überall) unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Menschen kann man sich in mitten der unzähligen Reisfelder eigentlich auch nicht wirklich großartig verlaufen. Im Übrigen gelingt es uns nur deshalb eine im Reiseführer beschriebene halbstündige Wanderung knapp unter 3 Stunden zu halten.

Aber trotzdem werden auch hier mitten auf den Reisterassen neue Hotels ohne Ende hochgezogen. Sicher größtenteils „noch“ in toller Lage – aber in Kürze dürfte man mancherorts nur noch über 1-2 Felder bis zum nächsten Hotel schauen…

Beim Besuch der „Oka Agro“ Kaffee- und Kakaoplantage etwas nördlich von Ubud lernen wir eine – mehr oder weniger – regionale Spezialität kennen: Luwak-Kaffee („Kopi Luwak“).

Die Luwaks gehören im weitesten Sinne zur Familie der Katzen und der nach ihnen benannte Kaffee wird aus getrockneter Luwak-Kacke geröstet. Hört sich im ersten Moment eckliger an, als es eigentlich ist. Der Luwak frisst im Grunde fast nichts anderes als die roten Früchte der Kaffeebäume (davon wohl auch nur die besten) – und übrig bleibt am Ende nur ein kleiner Haufen verklebter Kaffeebohnen, die vorher während des Verdauungsprozesses „veredelt“ werden. Das ganze wird dann wie gewohnt getrocknet und geröstet und schmeckt – der Kaffeekenner möge es mir verzeihen – wie ganz normaler Kaffee. Im direkten Vergleich aber vielleicht eine Spur schokoladiger…

Luwak-Kaffee ist im übrigen wohl die teuerste Kaffeesorte der Welt – mit Preisen bis zu 1000 Euro pro Kilo! Unsere Probiertasse war da mit „nur“ 50.000 Rupien ja vergleichsweise günstig.

getrocknete Luwak-Kacke - der Grundstoff für eine exklusive KöstlichkeitDie Kaffeebohnen werden geröstetSo sieht der teuerste Kaffee der Welt in einer Tasse aus

Am zweiten Abend haben wir eine der unzähligen balinesischen Tanzshows besucht. Gleich neben dem Starbucks in Ubud lag ein Tempel an einem Lotus-See, der eine wirklich tolle Kulisse für die Tanzvorführung bot. Das jede Bewegung, jedes Halswackeln und Augenaufreissen auch eine Bedeutung hat, hatten wir ja schon beim Besuch des Tanzunterrichts in Lovina gelernt. Trotzdem ließ sich das Grinsen bei den starren Blicken und Augenrollen teilweise nur schwer unterdrücken. Das hektische Zappeln des Kriegers während des „Warrior Dance“ veranlasste Fiona dann auch laut loszulachen.

Der letzte aufgeführte Tanz war der „Joged Dance“, eine Art „Flirttanz“, bei dem die Tänzerin mehrfach Besucher zum Tanz auf die Bühne holte. Eine Japanerin geriet bei dieser Mitmach-Nummer dermaßen aus dem Häuschen, dass sie extatisch an den Stühlen der nur etwa 30 Zuschauer vorbeitanzte – und direkt hinter einer Tempel-Statue in ein Loch plumpste. Außer einem recht verdutztem Gesicht und ein paar Schreckenstränen ist zum Glück nichts weiter passiert – angesichts der Tiefe des Lochs, hatte die gute Dame da echt Glück gehabt.

Die Tänzerin hatte den Vorfall einfach mal komplett ignoriert und lief weiter mit strahlendem Lächeln durch die nur noch spärlich besetzten Reihen, um weitere Zuschauer für ein Tänzchen auf der Bühne zu motivieren. Und das obwohl sich mehr als die Hälfte der Besucher besorgt um das Loch mit der Japanerin versammelt hatte. Hätte ja auch was schlimmeres passiert sein können… Naja, wie heißt es so schön: „The show must go on…“

Generallprobe vor der Aufführung

Fiona’s ganz persönliches Highlight war übrigens das abendliche Beobachten der Glühwürmchen aus unserem wandlosen Wohnzimmer heraus. Auf einem Sitzkissen liegend hat sie dann immer den Sternenhimmel beboachtet, um Sternschnuppen zu entdecken. Da es Nachts meist bewölkt war gab’s leider keine einzige zu sehen – dafür aber eben jede Menge Glühwürmchen, die vor uns hin und her wuselten.

Ich hatte ihr am ersten Abend erzählt, dass man sich was wünschen kann, wenn man eine Sternschnuppe sieht – und das man den Wunsch für sich behalten muss, damit er auch in Erfüllung gehen kann. Daraus hatte sich ein recht reges Vater-Tochter-Gespräch entwickelt, da Fiona dazu eine ganze Menge wissenswertes beizusteuern wusste und auch einige Fragen hatte.

Außerdem musste Fiona sich natürlich schon mal jede Menge Wünsche überlegen. Am Ende waren drei übrig geblieben, die sie mir aber nur erzählen konnte, weil wir bisher noch keine Sternschnuppe gesehen hatten – und ich deshalb auch nicht wissen konnte, bei welcher sie welchen Wunsch wünschen würde (ganz schön schlau, wie ich finde ;-) ). Fiona’s Top-3-Wünsche waren: zaubern können, einen Bauernhof haben und einen Hund wie Maxi (ihr Spielgefährte bei unserer ersten Station in Lovina).

Sicherheitshalber habe ich noch darauf hingewiesen, dass nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen können, weil ja ganz viele Menschen so eine Sternschnuppe sehen – und jede leider nur für einen den Wunsch erfüllen kann…

Geschrieben von Bernd | Kategorie: Asien | ,

 

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